1950-1959: Ausfall und Wiederbelebung
Der niedersächsische Kultusminister hatte bereits 1949 bekannt gegeben, dass die Stadt das Jubiläum der Festspiele 1950 nicht unterstützen können wird, weil der 200. Todestag von Johann Sebastian Bach ansteht und sich die Stadt zu diesem Anlass verpflichtet. Zudem wurde 1949 der bisherige Dreispartenbetrieb des Stadttheaters Göttingen auf ein reines Sprechtheater reduziert , Opernchor und Orchester also aufgelöst, wodurch auch eine wichtige damalige Grundlage für die Händel-Festspiele entfiel. Bereits seit 1946 war das Orchester des Stadttheaters der Hauptträger der Festspiele gewesen, 1948 kam auch das Opernensemble hinzu. Erst 1953 konnte die Festspieltradition wieder aufgenommen worden – es folgten abermals zwei Jahre Pause.
"Das dann von 1959 an die für die Fortführung der Festspieltradition notwendigen Mittel regelmäßig flossen, war nur durch das Zusammentreffen zweier günstiger Umstände möglich geworden: durch die geographische Lage Göttingens im sogenannten Zonenrandgebiet und durch die Existenz der hallischen Händel-Festspiele. Fortan wurden der Göttinger Händel-Gesellschaft regelmäßig Gelder aus der sogenannten Zonenrandförderung des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen bewilligt. Dabei konnte die Gesellschaft sich die Systemkonkurrenz des Kalten Krieges insofern gezielt zunutze machen, als sie wiederholt auf die Funktion der hallischen Händel-Festspiele als Propagandainstrument der DDR und die damit zusammenhängende üppige Förderung dieser Festspiele durch das DDR-Kulturministerium hinwies und davor warnte, dass der Osten einen Abbruch der Göttinger Händel-Tradition propagandistisch als Beleg für die von ihm berhauptete Überlegenheit des eigenen Systems ausschlachten würde. Diese Argumentation verfehlte ihre Wirkung nicht."