1981-1990: Die Ära Gardiner
Im Jahre 1980 wurde John Eliot Gardiner zum Künstlerischen Leiter der Festspiele berufen. Mit den beiden von ihm begründeten Ensembles, dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists, stellte er in Göttingen eine große Zahl bedeutender Kompositionen Händels und seiner Zeitgenossen vor, darunter die Händel-Oratorien Messiah, Hercules, Israel in Egypt, Solomon, Alexander’s Feast, Jephtha und Saul sowie die Opern Tamerlano von Händel, Scylla et Glaucus von Leclair und La Clemenza di Tito von Mozart.
Gardiner begann seine Göttinger Zeit mit einem programmatischen Vortrag vor der Händel-Gesellschaft unter dem Titel "Die Rehabilitierung Händels". Sein zentraler Satz, der seitdem auch über die Ära Gardiner hinaus das künstlerische Credo der Händel-Festspiele Göttingen bestimmt, lautet: "Nur der Zugang zu Händel kann heute wirklich legitim sein, der ernsthaft bemüht ist, die Schlacken einer 200jährigen Aufführungsgeschichte auszuräumen und die Musik im Geist ihrer Zeit und durch einen Aufführungsstil im Einklang mit Händels eigener Praxis zu erfassen." Ziel müsse es sein, "Händels eigenen Stil für seine Opern und Oratorien wiederzugewinnen".
Mit Gardiner begann die Auseinandersetzung mit der historisch informierten Aufführungspraxis. Nicht von ungefähr wuchs seitdem die überregionale Beachtung der Göttinger Händel-Festspiele zusehends; dazu kam eine deutliche Öffnung der Festspiele breiteren Bevölkerungsschichten gegenüber etwa durch die Einführung von Open-Air-Veranstaltungen und von Schülerkonzerten. In der Dekade, die Gardiner prägte, haben die Festspiele auch ihre räumliche Basis verbreitert. Zu den traditionellen Spielstätten Stadthalle, Universitätsaula sowie Johannis- und Jacobikirche kamen zwei weitere Kirchen im Wallbereich (St. Marien, St. Albani) für Kammermusik und Kammerorchester, dazu das umgebaute Deutsche Theater für szenische Produktionen.