„Stunde deutscher Musik“ · Archiv 1933

Händel, Bach und Gluck – Konzert in der Aula am Wilhelmsplatz

Nach dem Machtantritt Adolf Hitlers im Januar 1933 droht auch der Händel-Gesellschaft die ideologische »Gleichschaltung«, also Vereinnahmung im Sinne der Nationalsozialisten. In dieser Lage wählt Meyerhoff den Weg des vorauseilenden Gehorsams, die sogenannte »Selbstgleichschaltung«. Er will damit eine gewisse Unabhängigkeit bewahren. Das größte Opfer dieser selbstgewählten Anpassung ist Wolfgang Stechow. Stechow hat eine jüdische Mutter und passt deshalb ins antisemitische Feindbild der Nationalsozialisten. Meyerhoff drängt ihn in moralisch fragwürdiger Weise aus dem Vorstand.

Zugleich besetzt er den Vorstand gezielt mit überzeugten Anhängern des Nazi-Regimes. Hans Plischke, Professor für Ethnologie, wird Vorsitzender und Hermann Muhs, NS-Regierungspräsident, wird Ehrenvorsitzender. Dieser Schachzug ist zynisch und zweifellos moralisch verwerflich. Später zeigt sich allerdings, dass dadurch radikalere Gleichschaltungsversuche von Berlin aus abgewehrt werden können. Das Bündnis mit den Nazis bietet Meyerhoff gleichzeitig Raum für die seit 1934 einsetzende künstlerische Neuausrichtung der Festspiele.

Das Programm für das Jahr 1933 stand lange nicht fest. Die Deutsche Musikbühne Berlin bot an, für 1.000 Reichsmark die Rodelinde in Göttingen aufzuführen, musste ihr Angebot aber zurückziehen, da sie schließen musste. Auch Inge Hertings Tanzerfolg Der zufriedengestellte Aeolus wird nicht realisiert auf Grund der zu hohen Kosten. So einigte man sich auf eine Festveranstaltung in der Aula am Wilhelmsplatz („Stunde Deutscher Musik“) am 11. Juli 1933 mit einem Vortrag und Musik von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Christoph Willibald Gluck.

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