Göttinger Händel-Fest 1957 · Archiv

Mit einem Chor- und Orgelkonzert unter Mitwirkung des NDR-Orchesters zur Eröffnung, bei dem das Dixit Dominus und das Dettinger Te Deum aufgeführt wurden, und drei Kammerkonzerten in der Aula der Universität kamen die Festspiele 1957 wieder vergleichsweise opulent daher.

Höhepunkt war aber ein Gastspiel aus dem anderen Teil Deutschlands: Das Landestheater Sachsen-Anhalt zu Halle führte im Deutschen Theater zweimal Poros auf, eine Produktion der Händel-Festspiele Halle 1956. Natürlich war dieses Gastspiel ein heiß diskutiertes Politikum. So kritisierte der Rezensent des Göttinger Tageblatts Uwe Martin an der Inszenierung, dass die "materielle Bewegungsfreiheit" erkauft worden sei "mit äußerst bedenklichen Zugeständnissen an die Ideologie des sogenannten sozialistischen Realismus". Der Regiesseur Heinz Rückert habe "unter dem Druck der kommunistischen Ideologie den Alexander zu einem bösen Imperialisten machen müssen." Der Mitbegründer der Halleschen Händel-Gesellschaft und Musikwissenschaftler Walther Siegmund-Schultze reagierte mit der Replik, in der DDR würde man (im Gegensatz zu Westdeutschland) beim Hören von Händels Werken "die Gedanken des Friedens und der Humanität mithören und zur Auswirkung bringen wollen."

Immerhin waren aber ein solcher kultureller Austausch und eine derartige Diskussion damals noch möglich.

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